Dialoghaus & Wasserschloss: zwei Häuser für alle Sinne

Zu Fuß kann die Speicherstadt nur über Brücken erreicht werden. Vom Kontorhausviertel, der anderen Hälfte des Hamburger Welterbes, führt der Weg – prominent flankiert von den Glaskuben des Deichtorcenters und des SPIEGEL-Gebäudes – über die Oberbaumbrücke oder etwas weiter nördlich über den Wandrahmsteg: eine schmale Brücke, die einem das Gefühl gibt, man würde sich in die Speicherstadt hineinschleichen, anstatt sie ganz offiziell zu betreten. Es ist deshalb irgendwie passend, dass man genau hier, die dröhnende, sechsspurige Stadtautobahn im Rücken, auf den „Dialog im Stillen“ trifft.

Eine lange Schlange von Touristen wartet vor dem Dialoghaus
Das Dialoghaus lockt stets viele Besucher an, die ihre Sinne schärfen wollen. © ELBE&FLUT / Thomas Hampel

Das Dialoghaus in Block W führt Besucher in die Welt von Gehörlosen, tonlos mit Ohrenschützern, die jedes Geräusch schlucken, in schallisolierten Räumen, in denen Sprechen verboten ist. Es ist ein weiteres Format der Reihe, die aktuell mit dem „Dialog mit der Zeit“ die Welt des Alterns erkundet und deren Erfolgsgeschichte vor vielen Jahren mit dem „Dialog im Dunkeln“ begann. Dabei werden Besucher künstlich in eine blinde Orientierungslosigkeit versetzt, in der sie dann von einem blinden Guide schrittweise lernen, ihre verbliebenen Sinne zu schärfen: Sie ertasten das raue Mauerwerk, riechen den Duft frischer Orangen, spüren den Wind an der Elbe und schmecken die muffige Luft über den Fleeten. Die Welt der Bilder verwandelt sich in eine Welt der Geräusche, Gerüche, Temperaturen und Texturen. Ein guter Einstieg für einen Spaziergang.

Das Wasserschloss der Speicherstadt
Blick auf das Wasserschloss an der Spitze, wo sich Wandrahmsfleet und Brooksfleet in der Speicherstadt treffen. © Dataport

Nur wenige Schritte vom Ausgang entfernt, wartet – quasi als Belohnung – ein profanes optisches Schmankerl: Die Poggenmühlenbrücke ist zwar selbst wenig spektakulär, aber von ihr aus lässt sich das am häufigsten fotografierte Motiv der Speicherstadt bestaunen, das Windenwärterhäuschen, zu dessen Füßen sich Wandrahms- und Holländischbrookfleet teilen. Bei Tag oder Nacht, in Schneesturm oder Sonnenschein: Kein Besucher scheut die Umstände, um nicht mindestens ein Foto zu machen. In diesem pittoresken Häuschen wohnten einst die Techniker, die die hydraulischen Speicherwinden warteten. Die meisten Hamburger kennen es heute als „Wasserschloss“, in dem seit 2010 das Teehandelskontor Sturm ansässig ist. Das Café darin ist ganz hübsch, aber vor allem seine Terrasse am Fleet ist es wert, eine längere Pause einzulegen und den Rest des Spaziergangs auf den Nachmittag zu verschieben oder die Kinder schon mal vorzuschicken, vielleicht um die Ecke ins Zollmuseum.

Chilehaus C
Pumpen 6
D-20095 Hamburg

Mo ‒ Do: geschlossen
Fr: 12 ‒ 18 Uhr
Sa + So: 10 ‒ 18 Uhr