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Der Nationalpark-Ranger

Interview mit Thorsten Köster

Ranger im Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer

Nationalparks ohne Ranger sind undenkbar. Sie sind vor Ort, kennen sich bestens aus, sind Handwerker, Wissenschaftler, Fotografen, Artenschützer, Erstehilfe-Station, Pädagogen, Wildhüter, Kinderbetreuer, Gästeführer und erste Ansprechpartner für Touristen und Einheimische, kurz: Gesicht und Visitenkarte des Parks. Der erste Ranger im Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer war übrigens eine Rangerin und 12 Jahre im Dienst. Derzeit macht Thorsten Köster den Job.

Thorsten Köster © Klaus Janke, Umweltbehörde Hamburg

Thorsten, warum bist du gerade Ranger geworden?

Durch meinen klasse Biolehrer ist Natur meine Leidenschaft. Und ich war als Junge vom Land praktisch immer draußen und wollte das unbedingt auch später auf der Arbeit sein. Ich dachte, da wäre Garten- und Landschaftsbau gerade richtig. Wurde es aber leider immer weniger: In den 20 Jahren, in denen ich dabei war, hat sich das Berufsbild zu ’Pflastern und Kanalbau‘ entwickelt. Natur dabei? Null. Da war die Stelle als Ranger die Erlösung. Hier kann ich in der Natur direkt für sie arbeiten und andere Menschen dafür begeistern, sie zu verstehen und zu bewahren.

Salzwiesenführung auf Neuwerk mit Ranger Thorsten Köster und dem Verein Jordsand. © Arnold Morascher

Wie sieht dein Arbeitstag aus?

Normalerweise in etwa so: Dienstbeginn um 8. Und gleich Start mit dem Wichtigsten: Infos über Wetter und Wasserstände einholen. Dann kurzes Briefing mit den Kolleginnen und Kollegen in Hamburg und den Leuten vom Verein Jordsand im Nationalpark-Haus auf Neuwerk. Anschließend sind oft Reparaturen dran (z.B. defekte Hinweisschilder und Informationspulte). Ab Mittag stehen Führungen an, von Gruppen nach Programm oder auf Anfrage. Wenn Zeit ist, mach’ ich Monitoring: Ich checke Strandabschnitte auf Müll und wie die Wiesen auf Neuwerk beweidet werden—Grundlage für den Schutz von Wiesenbrütern. Und als Aushängeschild für den Nationalpark wirst du laufend von Insulanern und Gästen angesprochen. Ab und zu muss ich auch mal deutlich werden und auf die Grundregeln des Verhaltens im Nationalpark hinweisen. Obendrauf kommt der übliche Papier- und Kleinkram, vor dem du selbst hier auf der Insel nicht sicher bist. Und wenn alles schön Schritt für Schritt nacheinander geplant ist, spielen Wetter und Wasserstände verrückt und du kannst alles über Bord werfen und musst wieder mal improvisieren—es bleibt also immer spannend, was mir sehr gefällt.

Im Gespräch mit Gästen © Klaus Janke

Was ist für dich der größte Unterschied zu anderen Jobs?

Dass der Ranger-Job von A bis Z sinnvoll ist—gerade jetzt in der Klima- und Artenkrise: Du machst direkt vor Ort praktischen Naturschutz und erklärst das interessierten Leuten. Es geht nicht wie so oft sonst um mehr Umsatz oder Gewinn, um sich noch und noch mehr leisten zu können.

 

Was findest du beim Rangerjob am schwierigsten?

Die Familie lebt auf dem Festland—ich sehe meine Frau und meine Tochter wegen der Schichten nur alle 10 Tage. Das geht auch jetzt noch nach 14 Jahren als Ranger manchmal schwer an die Nieren.

 

Wo wurde es mal richtig eng für dich?

Bernstein-Führung im Watt im Sommer vor einigen Jahren: Auf dem Rückweg lief das Wasser viel schneller auf als vorausgesagt, und die Gruppe war ziemlich ausgepowert. Wir kamen nicht richtig voran. Als ein tieferer Priel durchwatet werden musste, haben wir das nur gerade eben so geschafft. Eine Minute später war er hüfthoch voll.

Auch bei Bernstein-Führungen immer wieder zu sehen: Der Wattwurm. Jeder einzelne filtert pro Jahr 25 kg Watt—eine der größten Ökosystem-Leistungen des Wattenmeers. © Jan Dube

Woran erinnerst du dich am liebsten?

Auf Neuwerk sind sage und schreibe schon 3 ‚Tatorts‘ gedreht worden. Im letzten—‚Tschill out‘ mit Til Schweiger—war ich als lebende Ranger-Requisite mit im Einsatz.

 

Wenn du irgendwann aufhörst—welche drei Ratschläge würdest du einem Nachfolger geben?

Wenn es eng wird, rundum sichern und beobachten, ‚cool bleiben‘—im echten Sinn des Wortes, Sicherheit ausstrahlen.

 

Vor die Wahl gestellt: Würdest du heute wieder Ranger werden?

Unbedingt, und ich würde das direkt, ohne Umwege über andere Berufe machen.

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